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September

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Lied des Monats September 2014: Gotteslob Nr 889: Der Herr ist mein getreuer HirtLogo der Diözese

Text: Sigisbert Kraft 1974 nach Ps 23           Melodie: Johann Crüger 1653

Die Gedanken zum Lied  stammen vom Abt des Stiftes Seitenstetten, Mag. Petrus Pilsinger:



Wer es mit Gott zu tun bekommt, der muss singen…

 

Die Urerfahrung des Volkes Israel mit seinem Gott ist die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und der Weg in das gelobte Land. Gott hat sein Volk 40 Jahre lang durch die Wüste geführt und begleitet und dabei viele Höhepunkte und auch viele Tiefschläge in der Beziehung mit seinem Volk erlebt.

Israel hat auf diesem Wüstenmarsch vor allem aber eines erlebt: Auch wenn wir manchmal ein störrisches Volk sind, unser  Gott schaut auf uns, er sorgt für uns. Es hat uns in den 40 Jahren Wüste an nichts gemangelt. Gott hat Wasser, Wachteln und Manna gegeben. Gott bewahrt vor Hunger und Tod und schützt vor feindlichen Übergriffen. Gott hat die Seinen sicher geführt und ans Ziel, in das gelobte Land, gebracht. So hat sich Gott im Volk einen Namen gemacht.

Im Psalm 23 wurden schon zu Zeiten des Königs David diese Erfahrungen zu einem Gebet, zu einem Lied geformt. „Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln“. Es bringt zum Ausdruck: Wer sich von Gott führen lässt, der kann getrost seinen Weg gehen. Das Singen dieses Gebetes gibt Zuversicht, Trost und Kraft für alle Wege.

Auch die frühe Kirche hat den Psalm 23 gesungen und das Bild des Hirten auf Jesus Christus übertragen, der sogar sein Leben für die Seinen hingegeben hat. Für viele Märtyrer in den Anfängen des Christentums war der Gute Hirt Begleiter und Weggefährte durch das finstere Tal des Martyriums. Sie haben den Tod nicht gefürchtet, denn sie waren überzeugt, dass der Herr bei ihnen ist. Es ist wohl kein Zufall, dass eine der ältesten Christusdarstellungen Jesus als Guten Hirten darstellt.

 

Wer es mit Gott zu tun bekommt, der singt auch heute ...

 

Der altkatholische Bischof Sigisbert Kraft (1927-2006) hat 1974 in Anlehnung an den Psalm 23 ein Kirchenlied geschrieben, das in das Gotteslob Eingang gefunden hat. Es ist von derselben Grunderfahrung getragen wie der biblische Psalm: Wer sich vom „getreuen Hirten“ führen und leiten lässt, heißt es auch hier, dem wird nichts fehlen. Denn Gott ist ein mächtiger Gott, er hat einen Namen und er hat für uns nichts anderes im Sinn als Huld und Güte. Er hält stets seine Hand behütend über uns. Und dafür können wir ihn nur loben und preisen.

In der zweiten Strophe spricht das Lied die Treue des Hirten an, der auch in dunklen Stunden die Seinen nicht allein lässt. Christus selber hat die dunklen Stunden der Einsamkeit erlebt. Er hat in seiner Todesstunde vermeintliche Gottverlassenheit erfahren, aber auch erlebt, dass er dennoch nicht verlassen ist. Die Auferstehung hat gezeigt, selbst auf dem dunklen Weg des Sterbens und in der Stunde des Todes sind wir nicht von Gott verlassen.

Die dritte Strophe verweist darauf, dass der Gute Hirt auch Orientierung gibt. Er führt uns "auf rechten Pfaden". Selbst wenn wir Irrwege, Umwege und gefährliche Wege gehen, er sorgt dafür, dass es wieder recht wird. Er weiß zu jeder Zeit (bei Tag und Nacht), wohin die Reise geht, wo der Weg hinführt und dass wir sicher das Ziel erreichen.

 

Das Lied im Gottesdienst

 

„Du stärkst mich mit Brot und Wein“, lautet die vierte Strophe. Es sind die Eucharistischen Gaben, mit denen der Gute Hirt seine Kirche und jeden Einzelnen beschenkt. Diese Gaben sind Inbegriff seiner Gegenwart. Noch mehr gegenwärtig als in der gemeinsamen eucharistischen Mahlgemeinschaft kann der Herr nicht mehr sein. Der Gute Hirt gibt sich im wahrsten Sinn des Wortes als Nahrung für die Seinen. Von Christus können wir leben. Wer es mit Gott zu tun bekommt, der ist nicht allein.

Das Lied eignet sich meines Erachtens sehr gut als Gesang nach der Kommunion, wenn wir all das Vertrauen und die Zuversicht in die Gegenwart des Herrn zum Ausdruck bringen können. Noch dazu wird uns das Singen auch deswegen leicht gemacht, weil die Melodie eine weithin bekannte ist, nach der wir auch andere Gottesloblieder singen.

Wer dem Herrn begegnet, der muss einfach singen.

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